Der Sonntag darf nicht Wirtschaftsinteressen geopfert werden

Der Sonntag darf nicht den Wirtschaftsinteressen geopfert werden - Breite Allianz engagiert sich gegen Sonntagsarbeit

Die neu gegründete „Sonntagsallianz“ kritisierte heute an einer Medienkonferenz die schleichende Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags. Dies betrifft insbesondere den Detailhandel, aber auch andere Bereiche wie etwa die Post. Der Sonntag, da sind sich die Mitgliedsorganisationen einig, darf nicht den Wirtschaftsinteressen geopfert werden. Er muss als Tag der Erholung und des sozialen Beisammenseins geschützt bleiben. Die breit abgestützte Sonntagsallianz setzt sich aus Kirchen, Gewerkschaften,Frauenorganisationen und Arbeitsmedizinern zusammen. Die Allianz wird sich mit aller
Kraft dafür einsetzen, dass die Sonntags- und Feiertagsruhe gesetzlich geschützt bleibt und lehnt flächendeckende Sonntagsarbeit in Tankstellenshops, wie sie demnächst im Ständerat diskutiert wird, ab
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Immer mehr Beschäftigte müssen ihren Unternehmen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche zur Verfügung stehen. „Eine Vorreiterrolle spielen momentan die Arbeitgeber im Detailhandel“, kritisiert Vania Alleva, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft Unia und SGB-Vizepräsidentin, an der heutigen Medienkonferenz. „Permanent versuchen die Grossverteiler die Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Das geht auf Kosten des Personals.“

Klaus Stadtmüller, Präsident der schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin,
zählt die gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Beschäftigten auf: „Ein- undDurchschlafprobleme, Störungen von Appetit und Verdauung, Stress, psychische Auffälligkeiten. Manche Untersuchungen gehen sogar von einer Häufung von gewissen Krebsarten aus.“

Klartext redet auch Kurt Regotz, Präsident der Gewerkschaft Syna: „Sonntagsarbeit schafft keine neuen Arbeitsplätze, verschlechtert aber die bestehenden.“ Von solchen Verschlechterungen betroffen sind gerade im Detailhandel meist Frauen. Erika Hofstetter, Verbandsvorstand des schweizerischen katholischen Frauenbundes; „Die Frauen zahlen bei einer Erweiterung der Ladenöffnungszeiten einmal mehr den Preis. Eine
echte Wahl haben sie nicht, denn oft ist für sie die Arbeit am Sonntag der einzige Ausweg aus einer ohnehin prekären finanziellen Situation“
Die Folgen von Sonntagsarbeit auf die Gesundheit der Beschäftigten, den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft und den Arbeitsplatz Schweiz sind also höchst problematisch.

Philippe Woodtli, Geschäftsleiter des evangelischen Kirchenbundes der
Schweiz: „Der Sonntag ist der Tag der Gemeinschaft. Gemeinschaft gelingt aber nur, wenn die freie Zeit auch wirklich gemeinsam und gleichzeitig ist.“
Die Sonntagsallianz vereint Kirchen, Gewerkschaften, Frauenorganisationen und die Fachorganisation der Arbeitsmediziner. Dies zeige, so Wolfgang Bürgstein von Justitia et Pax/Bischofskonferenz, „dass es einen inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen Beteiligten gibt, nämlich die Sorge um das Wohl der Menschen. Dieser Zusammenschluss ist also mehr als ein reines Zweckbündnis zur Durchsetzung unterschiedlicher Interessen.“

Nicht nur im Detailhandel findet eine bedrohliche Entwicklung statt. Von der Flexibilisierung der Arbeitszeiten sind auch Bereiche wie Post, Telekommunikation und Buchhandel betroffen, wie Mohamed Hamdaoui, Leiter Kommunikation der Gewerkschaft Syndicom, erklärt: „Bei der Post ist es nicht selten, dass die Angestellten ein 50-%-Pensum auf 5 oder sogar 6 Tage verteilen müssen.“

Zum Schutz des betroffenen Personals und um die gesellschaftlich wichtigen Freiräume zu erhalten, setzt sich die Sonntagsallianz für den Schutz der bisherigen Sonn- und Feiertagsruhe ein und engagiert sich gegen die Ausweitung der Sonntagsarbeit. So unterstützt die Sonntagsallianz ein allfälliges Referendum gegen die Einführung der flächendeckenden Sonntagsarbeit in Tankstellenshops, wie sie demnächst im Ständerat diskutiert wird.

Die Sonntagsallianz besteht aus Kirchen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften und der Fachorganisation der Arbeitsmediziner (Stand 13. Juni 2012).