Die Schweiz muss an der Nagoya-Konferenz glaubwürdig auftreten

Die Schweiz fährt mit ehrgeizigen Zielen an die Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya, die am kommenden Montag beginnt. Allerdings ist nicht klar, wie die dringend nötigen Massnahmen finanziert werden sollen. Gleichzeitig ist die Bilanz in Bezug auf die inländischen Biodiversitätsziele sehr durchzogen.

Nachdem die Umsetzung der Alpenkonvention im Parlament abgelehnt und der Schutz des Wolfes und anderer Grossraubtiere angegriffen wurde, wird die Schweiz an der Biodiversitätskonferenz vom 18. bis 29. Oktober 2010 in Nagoya eine schlechte Figur machen. Von den elf Biodiversitätszielen für das Jahr 2010 sind in der Schweiz nur fünf teilweise erreicht worden. Sechs wurden gar nicht erreicht. Handlungsbedarf besteht gerade bei den Hauptzielen der Erhaltung und Förderung der Vielfalt von Ökosystemen und Arten.

Die Grünen begrüssen das Engagement des Bundesrats an der Nagoya-Konferenz für die Fortsetzung des Schutzes und der Förderung der Biodiversität nach 2010 auf internationaler Ebene. Im Rahmen des Protokolls über die Nutzung genetischer Ressourcen (Access and Benefit Sharing) muss sich die Schweiz dafür einsetzen, dass wirksam gegen Biopiraterie vorgegangen wird. Der Zugang zu genetischen Ressourcen und der Nutzen, der daraus gezogen wird, müssen gerecht verteilt werden.

In Bezug auf die Finanzierung sind die Forderungen der Schweiz widersprüchlich: Einerseits stellt der Bundesrat einen dringenden Handlungsbedarf fest. Andererseits knüpft er die Schaffung eines Finanzierungsmechanismus an die Bedingung, dass zuerst der Mittelbedarf und der Wert der Biodiversität präzise ermittelt werden sollen. Dabei wissen wir schon heute, dass allein für die geschützten Gebiete der Finanzbedarf weltweit 45 Milliarden Dollar beträgt, die Staaten aber insgesamt nur rund einen Viertel davon zur Verfügung stellen.