Finanzielle Risiken der „Carbon Bubble“

Milliarden von Schweizer Franken sind bei Konzernen angelegt, die Öl, Gas und Kohle fördern. Diese Investitionen sind nicht nur ökologisch verheerend, sondern bergen ein hohes wirtschaftliches Risiko. Wenn wir die beschlossenen Massnahmen zur Reduktion der Klimaerwärmung einhalten, sind 80 Prozent der Rohstoffreserven dieser Unternehmen praktisch wertlos. Das bringt auch unsere Vorsorgegelder in Gefahr. Zusammen mit den Umweltverbände WWF, Greenpeace und 350.org fordern die Grünen deshalb einen Ausstieg von Pensionskassen und Grossbanken aus Erdöl-, Gas- und Kohleinvestitionen bis in spätestens fünf Jahren.

Wer in fossile Energien investiert, treibt die Erwärmung unseres Klimas voran und gefährdet unsere Lebensgrundlagen. Brauchen wir alle ausgewiesenen Reserven an fossilen Brennstoffen, so verbrennen wir fünfmal mehr CO2 als maximal erlaubt, um das Zwei-Grad-Klimaziel noch zu erreichen. Zu diesem Schluss kommt eine viel beachtete Studie der Carbon Tracker Initiative und London School of Economics. Die wissenschaftliche Evidenz ist klar: Unsere Nachkommen werden bei ungebremster Klimaerwärmung mit kaputten Ökosystemen und lebensbedrohenden Naturkatastrophen zu kämpfen haben.

Forderung an Politik: Keine Wertpapiere mit Volksvermögen mehr
«Allein die Publica hat rund zwei Milliarden in fossile Energien investiert. Das steht in krassem Widerspruch zum Zwei-Grad-Ziel des CO2-Gesetzes. Und es gefährdet die Altersvorsorge der Versicherten. Die Publica muss deshalb ihre Anlagepolitik anpassen und aus dem Geschäft mit fossilen Energien aussteigen», fordert Nationalrat Bastien Girod (Grüne). Es braucht deshalb Vorgaben für Anleger von Volksvermögen: Die Pensionskassen, die Nationalbank, die SUVA und der AHV-Fonds sollen keine Wertpapiere mehr von Konzernen kaufen dürfen, welche Erdöl, Erdgas oder Kohle fördern oder entsprechende Rohstoffreserven besitzen. Bestehende Wertpapiere sollen innerhalb von fünf Jahren abgestossen werden. Die Grünen verlangen ausserdem eine strengere Kontrolle der Grossbanken bei Investitionen im Bereich fossiler Energieträger durch die Finanzaufsichtsbehörde Finma.

Finanzielle Risiken der «Carbon Bubble»
Alle reden von der Immobilien- oder der Dotcom-Blase, und keiner von der «Carbon Bubble». Zumindest in der Schweiz. Dabei ist die Kohlenstoffblase auch für die Schweiz extrem gefährlich. Nicht umsonst warnte die Grossbank HSBC schon vor einem Jahr davor, dass 40 bis 60 Prozent der Marktwerte von Öl- und Gas-Konzernen gefährdet seien. Die fossilen Titel sind doppelt unter Druck: Einerseits verschärfen viele Staaten die Gesetze, um die Risiken fossiler Energien einzudämmen und die Energieversorgung in Richtung erneuerbarer Energien zu lenken. Andererseits steigen immer mehr Investoren aus fossilen Investitionen aus. Und das ist fatal, denn die 200 grössten fossilen Energiekonzerne weisen ein gigantisches Kapital in der Höhe von 4000 Milliarden Dollar auf. Es droht deshalb ein massiver Kurssturz mit unabsehbaren Folgen.

Unser Volksvermögen wird bei Energiekonzernen angelegt, die das Klima und den Finanzmarkt aufheizen. Das ist russisches Roulette – sowohl aus ökologischer wie auch aus ökonomischer Sicht.

In vielen Ländern wird das Problem der «Carbon Bubble» bereits breit diskutiert. Wichtige Finanzinstitutionen wie die Weltbank oder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung wollen die Investitionen in Projekte zur Nutzung fossiler Energieträger drosseln. Und der Norwegische Staatsfonds will all seine Investments in Kohle beenden. Obwohl diese Problematik weltweit thematisiert wird, ist eine Diskussion in der Schweiz bisher ausgeblieben. Die Finanzbranche muss reagieren und desinvestieren, bevor es zu spät ist.