Medienmitteilungen Gesundheit

31.03.2009

Ja zu einer Stärkung der Hausärzteschaft

Die Grünen Schweiz unterstützen den Protest der Schweizer Hausärzte und Hausärztinnen vom 1. April. Für die Grünen ist eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung wichtig. Dazu gehört in erster Linie eine Stärkung der Grundversorgung durch die Hausärzte und Hausärztinnen.

 

Prognosen gehen davon aus, dass die Schweiz bereits in 20 Jahren einen schwerwiegenden Mangel an HausärztInnen haben wird. Das ist aus Sicht der Grünen zu vermeiden. Eine qualitativ gute, umfassende und kosteneffiziente Grundversorgung in der Hausarztpraxis ist gerade einer der Stärken des Schweizerischen Gesundheitssystems.

Doch anstatt die Position der HausärztInnen zu stärken, fördert die Politik die Spitzenmedizin und schwächt die Hausarztversorgung. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die durch Bundesrat Pascal Couchepin durchgeführte Revision der Laboranalysen. Mit ihr sind die HausärztInnen einmal mehr mit einer politischen Massnahme konfrontiert, die die Hausarztmedizin schwächt. In der Schweiz müssen die PatientInnen nicht für die Blutkontrolle ins Grosslabor, für den Spritzenkauf in die Apotheke, für das Röntgen ins Spital und für die Besprechung der Resultate wieder zurück zur Hausärztin. Leider hat Bundesrat Couchepin erneut eine Entscheidung getroffen, die den Weg in diese fragmentierte Gesundheitsversorgung weist.

Die Grünen wollen, dass die Position der HausärztInnen generell gestärkt wird. Sie unterstützen die Kernforderungen der protestierenden Hausärzteschaft:

  • An den Universitäten braucht es mehr Lehrstühle für Hausarztmedizin. Die Weiterbildung nach dem Medizinstudium zum Facharzt/Fachärztin Allgemeinmedizin ist staatlich zu unterstützen, genau wie die Weiterbildung in der Spezialmedizin am Spital.
  • Der Strukturwandel von der Einzelpraxis zur Gruppenpraxis mit gemeinsamer Nutzung der Infrastruktur und einer integrierten Patientenversorgung ist mit politischen Rahmenbedingungen zu fördern. Dies kann in der laufenden KVG-Revision mit attraktiven Bedingungen für Managed Care gewährleistet werden.
  • Teure Ärzte sind nicht immer Abzocker. Teuer sind auch Ärztinnen, die schwer und chronisch kranke Patienten behandeln. Die Spreu kann vom Weizen getrennt werden durch differenzierte Wirtschaftlichkeitsverfahren und einen besseren Risikoausgleich bei den Krankenkassen. Dies ist eine alte und bis jetzt ungehörte Forderung der Hausärzte.
  • Die Arbeitsbedingungen der HausärztInnen sind durch Erhaltung und Förderung des Dienstleistungsangebotes (Röntgen, Labor, Notfalldienst etc.) in der medizinischen Grundversorgung, durch Reduktion des bürokratischen Aufwandes und der Reglementierung sowie durch gleiche Rechte und Chancen in Tariffragen zu verbessern.
  • Blutuntersuchungen in der Hausarztpraxis müssen kostendeckend entschädigt werden

Politische Schnellschüsse und unsorgfältiges Vorgehen, die seit dem Amtsantritt von Bundesrat Couchepin zugenommen haben, treiben die Gesundheitskosten in die Höhe. Eine sinnvolle Regulierung kann nur unter der paritätischen Mitarbeit von Hausärzteschaft, Krankenkassen und Patientenorganisationen geschehen. Deshalb muss die Mitsprache der Hausärzte- und Patientenorganisationen verstärkt werden. Genau dies fordern die Grünen zusammen mit den protestierenden Hausärztinnen und Hausärzten. Die Grünen rufen die Bevölkerung auf, an den Protestaktionen der Ärzteschaft teilzunehmen.

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