Ein Lohnschrittchen weiter
Ein Lohnschrittchen weiter
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. So steht es in der Bundesverfassung. Und das schon seit 31 Jahren. Aber wir kennen auch die Realität: Frauen verdienen in der Schweiz 18.4 Prozent weniger als Männer. Und auch drei Jahre nach seiner Lancierung bleibt der Lohngleichheitsdialog – der auf Freiwilligkeit beruht –, hinter den Erwartungen zurück. So weit so schlecht.
Doch manchmal erfreuen auch ganz kleine Schrittchen: Gestern hat sich eine Mehrheit der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) im Nationalrat hinter die Parlamentarische Initiative der Grünen Fraktion gestellt. Die Initiative verlangt, dass eine unabhängige Kommission eingesetzt wird, welche die verfassungsrechtlich garantierte Lohngleichheit umsetzen soll – und zwar mit weitreichenden Befugnissen. Will heissen: Sie muss berechtigt sein, Löhne zu kontrollieren und Sanktionen anzuordnen.
Dieser kleine Zwischen-Erfolg heisst nicht, dass nicht anderswo Handlungsbedarf besteht. Der Ball liegt nun eindeutig bei den Unternehmen. Wo sind Hunderte und Tausende von Chefinnen und Chefs, die überprüfen, ob die Lohngleichheit gewährleistet ist? Freiwillig, partnerschaftlich, wirksam – das tönt gut. Wenn sich etwas bewegt – auch gut. Wenn nicht: Dann stehen die Zeichen seit gestern nicht so schlecht, dass eine Mehrheit sich nicht weiter vertrösten lässt.

