Die Müllersche Typenverwirrung
Die Müllersche Typenverwirrung
Ausgerechnet an Pfingsten, dem Tag des Heiligen Geistes, verbreitete der neue FDP-Präsident Philipp Müller seinen Geistes-Blitz, nicht den schwedischen Gripen, sondern den noch teureren deutschen Eurofighter oder den superteuren französischen Rafale zu kaufen. Besonders geistvoll ist die Begründung: Gegen Gripen spricht der Umstand, dass wir mit Schweden keine „politischen Probleme“ haben. Mit Rafale will Müller das Bankgeheimnis und die Steuerprivilegien verteidigen. Direkt genial ist das Argument für den Eurofighter: Mit dem Kauf dieses Kampfjets will die FDP die Fluglärmprobleme lösen. Hat Müller nicht Angst, mit seinem Doppelvorschlag zusätzlich zum Typenstreit einen Kampf der Kantone zu provozieren: Zürich, Thurgau, Schaffhausen und Aargau sind für den Eurofighter, weil ihr Hauptproblem der Fluglärm ist. Zug, Schwyz und Obwalden sind für den Rafale, weil ihre Hauptsorge den Briefkastenfirmen und Pauschalbesteuerten gilt. Und die Meiringer, Sittener sowie Emmener fragen verzweifelt, ob denn Kampfjets keinen Lärm verursachen.
Zwei Tage vor Pfingsten durfte ich in Frauenfeld vor der Offiziersgesellschaft ein Referat halten zur Krise der Armee. Aufgrund einer vorpfingstlichen Vorahnung begann ich meine Ausführungen mit einem Vergleich der heutigen mit der letzten grossen Armee-Krise, der sogenannten Hydra-Affäre nach der vorletzten Jahrhundertwende. Damals gab es eine grundsätzliche und hochstehende Debatte um die Zukunft der Armee, heute streitet sich das militärische Lager in einer viel tieferen Sinn- und Orientierungskrise um Flugzeugtypen. Ich zitierte dabei das böse bonmot von Karl Marx: „Die Geschichte wiederholt sich, zuerst als Tragödie, dann als Farce.“
Als vor knapp 2000 Jahren der Heilige Geist über die Apostel und Jünger kam, passierte ihnen ein „Pfingstwunder“. Sie erlangten die wunderbare Fähigkeit, in anderen Sprachen zu sprechen und sie zu verstehen. Die „Babylonische Sprachverwirrung“, die Strafe für die Hybris des Turmbaus, war mit einem Schlag aufgehoben. Philipp Müller erreichte ausgerechnet an Pfingsten das Gegenteil. Die Helvetische Typenverwirrung ist noch unverständlicher geworden. Es ist der Preis für die Hybris der Aufrüstung in Zeiten, in denen die wahren Probleme ziviler Natur sind.
Das Helvetische Pfingstwunder steht noch aus. Aber das Referendum gegen die Kampfjetbeschaffung ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

