Freiheit für Oscar
Freiheit für Oscar
Sie haben Oscar verhaftet. Oscar Mollohuanca, den Bürgermeister von Espinar in Peru. Oscar hatte letzte Woche ein Massaker jener Polizei überlebt, die im Rufe steht, im Dienste der Xstrata Tintaya zu stehen. Dem Massaker waren vier Mitkämpfer Oscars zum Opfer gefallen. Gegen hundert Demonstrantinnen und Demonstranten wurden verletzt.
Sie hatten protestiert gegen die Weigerung des Bergbaukonzerns mit Sitz in Zug, auf Vorwürfe gegen Umweltverschmutzung einzugehen. Insbesondere forderten sie von Xstrata, die in zwei Studien aus den Jahren 2010 und 1011 nachgewiesene Schwermetallbelastung in Böden, Gewässern, sowie in Blut und Urin der in unmittelbarer Nähe zum Tagebau lebenden Bevölkerung abzuklären.
Oscar habe ich vor einem Monat kennen gelernt. Er hatte die am 1. Mai stattfindende Generalversammlung der Xstrata im Zuger Casino besucht und an der vorausgehenden Kundgebung teilgenommen. Dort hat er lange mit dem Chef von Xstrata Peru diskutiert. Dabei entsprach Oscar dem Klischee, das wir von den Indios und Indias pflegen: sanft, leise, aber hartnäckig. Ich lud Oscar und seine Delegation dann an die abendliche 1. Mai-Feier auf dem Landsgemeindeplatz ein, wo ich seine Stegreif-Rede übersetzte. Dazwischen erzählte er mir vom Kampf der mehrheitlich indianischen und armen Bevölkerung gegen die rücksichtslosen Praktiken des Zuger Rohstoffmultis. Aufgefallen ist mir an Oscars Argumentation, wie das Ökologische, das Soziale und das Demokratische selbstverständlich zusammen gehören.
Xstrata war diese Woche dreimal ein Thema in Zug. Am Dienstag widmete die Alternative-die Grünen den Stadtrundgang, den sie mit der Erklärung von Bern durchführte, den Opfern von Xstrata. Am Donnerstag vormittags debattierte der Kantonsrat einen Vorstoss unserer Fraktion. Dabei huldigten die Bürgerlichen ihrem alten Grundsatz: nichts sehen, nichts hören, aber profitieren! Am Donnerstag abends gedachte die 75. Delegiertenversammlung des Gewerkschaftsbundes der vier Opfer der Xstrata Tintaya - Polizei.
Wir Grünen sind herausgefordert, unser Engagement gegen die Ausbeutung der Ärmsten der Welt und gegen die Zerstörung deren Umwelt zu verstärken. Unmittelbar geht es darum, die Freilassung von Oscar und aller anderen Gefangenen sowie die Aufhebung des Ausnahmezustandes zu fordern. Die Tatsache, dass die Adressatin in der Schweizer selber sitzt und steuert, macht die Solidarität leichter.

