Es braucht Evakuierungspläne
Vorzeitig abschalten ist besser als Notfallpläne schmieden
Wenn es in einem AKW zu einem schweren Störfall kommt, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, müssen innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Menschen evakuiert und umgesiedelt werden. Grosse Teile der Schweiz würden über Jahrzehnte hinweg unbenutzbar und unbewohnbar.
Eine solche Katastrophe kann nicht von heute auf morgen bewältigt werden. Sie muss von langer Hand geplant sein. Trotzdem gibt es in der Schweiz für derartige Szenarien offenbar keine Notfallpläne. Das geht auch aus einer Antwort der Berner Regierung auf eine Interpellation im Grossen Rat hervor. Sie weist darin ausdrücklich darauf hin, dass ein Katastrophenszenario bei einem AKW-Unfall in der Kompetenz des Bundes liegt. Es ist also Aufgabe des Bundesrats, Szenarien zu erarbeiten, auf die bei einem Super-GAU zurückgegriffen werden kann. Und zwar rasch, will der Bundesrat doch auch die ältesten unserer AKW nicht vorzeitig abschalten, sondern bis zum Ende ihrer Laufzeit in Betrieb behalten. Und das kann – je nach Alter der AKW – noch Jahrzehnte dauern.
Ich habe darum im Nationalrat eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragt, für jedes AKW in der Schweiz und im grenznahen Ausland ein Evakuierungskonzept auszuarbeiten für den Fall, dass ein schwerer Störfall eintritt, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird. Je nach Schweregrad des Unfalles müssen darin folgende Fragen beantwortet werden:
- Welche Perimeter müssen bei welchem Schweregrad eines Unfalles bei den einzelnen AKW festgelegt werden? Welche Bevölkerungsteile sind folglich von einer Evakuation betroffen? Wie und wohin sollen sie allenfalls evakuiert werden? Wie stellt sich der Bundesrat die Bewegungsabläufe der Evakuationsströme vor?
- Wie wird bei einem solchen Unfall die Grundversorgung in der Schweiz sichergestellt?
- Wohin und wie wird die Bevölkerung bei einer notwendigen Umsiedlung untergebracht?
- Wie und wo werden die Liquidatoren rekrutiert? Wie werden sie geschult? Wie werden sie informiert, wenn sie im Ernstfall sofort eingezogen werden müssen?
Ich hoffe, dass meine Motion den Bundesrat bewegt, endlich die notwendigen Überlegungen anzustellen. Noch viel mehr hoffe ich aber natürlich, dass der Atomausstieg so schnell wie möglich realisiert wird, damit die Notfallpläne in den Schubladen verschwinden können.

