Die Zeit arbeitet für die Komplementärmedizin

13.01.2011 - Ueli Leuenberger

Die Zeit arbeitet für die Komplementärmedizin

Ein mutiger Entscheid des Bundesrates, und ein sorgfältiger!
 

Mutig, weil die beratende Fachkommission dem Bundesrat genau zum Gegenteil geraten hat. Diese Kommission hat fachlich zu prüfen, ob die komplementärmedizinischen Methoden die WZW-Kriterien erfüllen. WZW steht für Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Allerdings wurde die Arbeit dieser Kommission schwer gerügt und eine Untersuchung durch die Geschäftsprüfungskommission beantragt.


Sorgfältig, weil der Bundesrat wichtige Anliegen der Komplementärmedizin aufgenommen hat. Er will ein internationales wissenschaftliches Reviewboard beiziehen, und der Auftrag an die beratende Expertenkommission soll präzisiert werden.


Der Bundesrat respektiert das klare Resultat der Volksabstimmung und schiebt seinen Entscheid nicht auf die lange Bank, sondern nimmt die fünf Methoden pragmatisch für weitere sechs Jahre in die obligatorische Krankenversicherung auf. Die Zeit wird für die Komplementärmedizin arbeiten, sind doch im Bereich Homöopathie allein in den letzten Jahren weit über 100 wissenschaftliche Studien veröffentlicht worden, die deren Wirksamkeit belegen. Mit diesem Entscheid haben wieder alle Patienten und Patientinnen Zugang zur Komplementärmedizin. Das ist um so wichtiger, als es viele Krankheiten gibt, die schulmedizinisch nur ungenügend oder mit sehr vielen Nebenwirkungen behandelt werden können. Die Zukunft liegt im Sinn der Patientin und des Patienten darin, dass Schul- und Komplementärmedizin gleichwertig angewendet werden können, dort, wo sie ihre Stärken haben.

  • Ab 2012 werden die Homöopathie, die traditionelle chinesische Medizin, die Pflanzenheilkunde, die anthroposophische Medizin und die Neuraltherapie wieder durch die obligatorische Krankenversicherung vergütet.
  • Unter Einbezug der Komplementärmedizin soll in dieser Zeit ein Konzept erarbeitet werden, das erlaubt, strittige Punkte in der Beurteilung der WZW-Kriterien zu bereinigen. Dazu gehört der Einbezug eines internationalen Expertengremiums und die Präzisierung des Auftrages an die beurteilende Leistungskommission.

Die Zeit arbeitet für die Komplementärmedizin und ich bin zuversichtlich, dass in sechs Jahren alle fünf Methoden definitiv in die Grundversicherung aufgenommen werden.
 

5 Kommentare

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Kommentare

Gesundheitskosten einsparen helfen

Die Politik hat endlich einen Beitrag geleistet, um die Gesundheitskosten zu senken.
Da will ich von der grünen Basis nicht dagegen tun. Mit Aufklärung und Humor gegen Polarisierung und Diktatur, lautet meine Devise. So kann ich mithelfen, Gesundheitskosten einzusparen. Aus völligem Eigennutz.

http://www.ignoranz.ch/forum/12_4251_0.html
Kirchgraber Stefan | 14.01.2011

Es ist Zeit, Voodoo und Heilmittel zu trennen!

So richtig es ist, Pflanzenheilmittel zu anerkennen, so falsch ist es, die Homöopathie gleichzustellen. Phytotherapeutische Mittel enthalten nachweisbare Wirkstoffe und haben beste Aussichten, bei Doppelblindstudien signifikante Ergebnisse zu erzielen.

Die Homöopathie hingegen ist eine reine Glaubenslehre, die wissenschaftlich in keiner Weise plausibel ist und deren Präparate sich schon in Hunderten von Studien als nicht wirksamer als Placebo erwiesen haben.

Es ist höchste Zeit, dass auch die Grünen den Willen zeigen, bei der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen zu trennen.
Andreas Kyriacou | 21.01.2011

Sind Sie Schulmediziner, Herr Kyriacou?

@ Andreas Kyriacou

Sie fordern, dass der unbedingte wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit der Homöopathie höher gewichtet werden soll als jegliche Erfahrung und alle demokratischen Entscheide.
Als Grüner habe ich Mühe mit Ihrem Appell, zumal von uns noch niemand im Bundesratsgremium sitzt. Schauen Sie, dass Sie für uns eine Mehrheit hinkriegen, dann bringen Sie uns Ihr Anliegen wieder vor.
Ein Heilmittel jedenfalls ist Ihr Beitrag nicht, jedenfalls nicht wissenschaftlich nachweisbar.

Kirchgraber Stefan | 23.01.2011

Die Grenzen der Schulmedizin

Ich bin von Beruf Sozialarbeiter und betreibe meine eigene Fachstelle, siehe www.integrationbehinderung.ch.

Heute hatte ich ein Gespräch mit einem Schulmediziner, welcher sich psychisch nicht mehr im Stande gefühlt hatte, seine Arbeit am Operationstisch zu machen und einen IV-Antrag stellen möchte. Zur Sicherheit möchte er sich fachlich beraten lassen. Er sei kein Einzelfall, solche Fälle seien sich am Häufen. Die meisten Ärzte seien psychisch am Limit, viele nähmen Medikamente.
Gerade die Perspektivelosigkeit und Ignoranz der Patientenschaft habe viele Ärzte in eine Sinnkrise gestürzt. Die Schweizer Bevölkerung verhalte sich zu einem grossen Teil alles andere als gesund, auf den Arzt werde kaum mehr gehört.

Anscheinend kann sich das Schweizer Volk solches sowohl finanziell als auch mental bezüglich der eigenen Gesundheit leisten. Darf es sich auch und damit sich weiter die Bedingungen verschlechtern (lassen). Dagegen spricht kein Gesetz. Eigenverantwortung darf gelebt werden, Hauptsache gesund bleiben!
Kirchgraber Stefan | 30.01.2011

Die Grenzen der Natur

Natürlich hatte ich das oben erwähnte Gespräch nicht heute Sonntag, sondern letzte Arbeitswoche. Im Wissen und in Respektierung dessen, dass Gedankenleserei bzw. Hellseherei trotz der Aufnahme der Komplementärmedizin in den Leistungskatalog der Krankenkassen von Natur her noch immer nicht möglich ist.
Ich könnte sonst ja falsch verstanden werden.
Kirchgraber Stefan | 30.01.2011
GREENFO

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