Senegalesischer Kampf um Ernährungssouveränität

04.02.2011 - Maya Graf

"C'est local, c'est bio, c'est bon."

Lokale Produkte schmecken am besten und belasten die Umwelt nicht unnötig. Das sagen nicht nur die Grünen, sondern auch Ibrahima Cissé von der senegalesischen NGO Enda Pronat, die in der Gemeinde von Keur Moussa gesunde und nachhaltige Landwirtschaft für eine bessere Nahrungsmittelsicherheit entwickelt. Ich bin in diesen Tagen unterwegs in Senegal im Vorfeld des Weltsozialforums und besichtige zusammen mit der Schweizer Delegation Projekte von HEKS und Fastenopfer. Wir bewundern das farbige Bild, das sich am Strassenrand bietet, wo die Senegalesinnen und Senegalesen ihre Ware feilbieten: Mandarinen, Grapefruit, Backwaren, SIM-Karten, T-Shirts etc. Doch nicht alle Mandarinen sind aus Senegal. Ein Grossteil stammt aus Marokko. Sie sind begehrt bei der Bevölkerung, weil sie kräftiger orange sind als die einheimischen. Langsam merkt jedoch die Bevölkerung, dass der weite Transport und das Einfrieren nicht förderlich sind für den Geschmack. Die senegalesischen Mandarinen sind viel süsser. Ausserdem halten sie viel länger. Die besten Mandarinen wachsen vor Ort.


Leider kämpfen die senegalesischen Bäuerinnen und Bauern mit vielen Schwierigkeiten, um ihre Früchte und ihr Gemüse zu produzieren. Sie spüren die Folgen des Klimawandels, der die Regenzeit verkürzt und zu Erosion führt, die Fruchtbarkeit der Böden und die Biodiversität beeinträchtigt. In der Gegend, die wir besucht haben, bauen sie in einem ausgetrockneten See an, der jederzeit zurückkommen könnte. Grossgrundbesitzer eignen sich die Erde an und lassen die Einheimischen gratis für sich arbeiten oder verpachten sie an Italiener, die für den Export produzieren. Die Monokulturen von Bohnen für den Export nach Europa zerstören den Preis der lokalen Produkte und untergraben die Nahrungsmittelsicherheit der einheimischen Bevölkerung. Diese Erkenntnis wächst unter der ländlichen Bevölkerung, muss jedoch auch in der Schweiz stärker werden, wenn es um den Konsum geht, denn: Wie wir essen, ist die Welt.


Doch die Bäuerinnen und Bauern kämpfen um ihre Rechte und für ihre Ernährungssouveränität, mit der Unterstützung von Enda Pronat und HEKS. Mit Steinwällen und offenen Gräben schaffen sie es, das Regenwasser länger zurückzuhalten. Wo lange Zeit nur rote Erde zu sehen war, grünt es heute. Fastenopfer und HEKS stärken zudem die bäuerlichen Gemeinschaften mit der Bildung von solidarischen Kassen, der stärkeren Einbindung der Frauen in die Entscheidungsfindung und Fair Trade.
Ernährungssouveränität und lokale Produktion auf senegalesisch: Die senegalesische Bäuerin und ich sind uns einig. „C’est local, c’est bio, c’est bon.“
 

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