(Zu) schneller Wechsel bei der Post
Braucht die Post wirklich einen Verwaltungsrat?
Ist es Ihnen auch so gegangen wie mir: Eben erst habe ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass Postpräsident Claude Béglé so schnell nicht aus dem Amt scheiden wird. Bundesrat Moritz Leuenberger hat sich vor den Verwaltungsratspräsidenten gestellt und ihn lange gegen die Attacken der Medien und früherer Postkader verteidigt. Dann erfahren wir plötzlich von seinem Rücktritt - und einen halben Tag später zaubert unser Postminister schon einen Nachfolger aus dem Hut: Peter Hasler, den früheren Direktor des Arbeitgeberverbandes. Nebenbei erfahren wir, dass Leuenberger bereits am 7. Januar bei Hasler vorsondiert hatte. Alles ein bisschen seltsam.
Hasler war sein Leben lang Verbandsfunktionär und hat in dieser Position wacker am Sozialstaat gerüttelt. Er hat aber auch Hand geboten, dass die Personenfreizügigkeit mit den EU-Staaten durch flankierende Kontrollmechanismen abgefedert wird. Weiter soll Hasler vor vier Jahren in einem Interview vorgeschlagen haben, die Schweiz müsse SBB und Post privatisieren – daran will er sich heute nicht mehr erinnern. Leider habe ich bis anhin wenig über ihn und seine Einstellung zum Service Public und zur Post als soziale Arbeitgeberin gelesen. Hier hatten wir von seinem Vorgänger wenigstens eine mündliche Zusicherung, die er im Juni 2009 in der Verkehrskommission des Nationalrates machte: kein Kahlschlag beim Poststellennetz und keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Ich hoffe, dass der neue Postpräsident diesen Zielen treu bleiben wird.
Was können wir von Hasler erwarten? Er muss schnell dafür sorgen, dass beim "Gelben Riesen" wieder Ruhe einkehrt. Er muss aber auch kundenfreundliche Innovationen und neue zukunftstaugliche Modelle für die Post aufgleisen. Dies wird wohl auch dem früheren Arbeitgeberpräsidenten nicht leicht fallen. Gut möglich, dass dies Leuenberger und der Gesamtbundesrat nach der turbulenten Ära Béglé auch gar nicht mehr wollen. Sonst hätten sie sich bei der Suche für die Nachfolge für das Verwaltungsratspräsidium ein bisschen mehr Zeit gelassen.
Dies wäre auch wünschenswert gewesen. So hätte sich der Bundesrat über die Rolle des Verwaltungsrates der Post grundsätzliche Gedanken machen können. Denn eigentlich gibt der Bundesrat die Strategie für die Post vor, und da stellt sich die Frage, welche Rolle der VR als strategisches Gremium in einem solchen Unternehmen überhaupt inne hat. Wäre es nicht besser, den CEO direkt dem Bundesrat zu unterstellen? Der VR könnte in ein ExpertInnengremium umgestaltet werden, welches den Bundesrat berät. Schade, dass die Chance für grundsätzliche Überlegungen nicht genutzt worden ist.
