Eine Geschichte zum Thema IV

07.09.2009 - Ueli Leuenberger

Über einen mutmasslichen IV-Betrüger

Es geschah in einem kleinen Dorf im Oberwallis. Im kleinen Weiler oberhalb des Dorfes wurde schon zum dritten aufeinanderfolgenden Tag ein Mann beobachtet, der aus seinem Auto heraus, fünfzig Meter oberhalb des Hauses der Familie Matter, mit einem Feldstecher und Fotoapparat bewaffnet, Haus und Leute ins Visier nahm.


In der Dorfbeiz sprachen die Männer darüber, wie ein Fremder - dem Dialekt nach wohl ein Unterländer, einer aus der Stadt - etwas aufdringlich herumfrage, was der Matter Franz eigentlich so treibe. Ob er wohl das Holz vor dem Hause regelmässig alleine aufstaple; ob er seine Kuh regelmässig auf die Wiese ausführe und vor allem, ob er am letzten Dorffest beim Bühnenaufbau auch mitgeholfen habe.


Im Dorfladen munkelten die Frauen, dass mit den Matters wohl was nicht stimme, sonst würden die doch nicht so beobachtet.
Die Viertklässler in der Dorfschule erzählten die wildesten Geschichten über den Matter Franz. Er habe wohl ein Verbrechen begangen, und der Fremde, der seit einigen Tagen überall herumfrage, sei wohl von der Polizei, obwohl er gar nicht so aussehe und sich nicht wie ein normaler Polizist benehme.


Dem Matter Franz und seiner Familie kam dies alles natürlich zu Ohren und unheimlich vor. Jemand sagte ihnen auch, dass dies ein Spion sei, der wissen wollte, ob der Franz wirklich invalid sei, da er ja eine Rente beziehe. In seiner Ehre verletzt, wegen der Unruhe im Dorfe und den schrägen Blicken einiger Nachbarn beschloss Franz, den Fremden aus dem Unterland, den Städter, zur Rede zu stellen. Zusammen mit seinem Bruder und drei Cousins stellten sie den "fremden Fötzel", bekamen jedoch nur wirre Erklärungen zu hören. Da verjagten sie ihn und rieten im, sich ja nie wieder beim Haus oder im Dorfe blicken zu lassen.


N.B. Die Geschichte spielte sich nicht im Oberwallis ab, sondern in einem Bergdorf im Kosovo. Natürlich ist es nicht die Geschichte vom Matter Franz, sondern die von Halimi Sami, einem langjährigen "Gastarbeiter" aus der Schweiz, der als Bauarbeiter, vielleicht war es sogar im Oberwallis, beim Bau von Dorfschulen, Mehrzweckhallen, Hotels und unzähligen Ferienhäuser kräftig Hand anlegte. Bis…, ja, bis zu diesem Unfall auf der Baustelle, von dem er sich nie wirklich erholt hat und deswegen er eine IV-Rente bezieht. Eine bescheidene Rente, die in der Schweiz zum Leben nicht genügte, im Kosovo jedoch schon. Beim „fremden Fötzel“ handelt es sich um einen von der IV angeheuerten "Versicherungsinspektor", der verdeckt im Kosovo arbeitet und durch seine Arbeitsweise bei der dortigen Bevölkerung auf wenig Verständnis stösst.


P.S. Es ist möglich, dass eines der von Sami Halimi gebauten Ferienhäuser einem SVP-Politiker gehört, der zur Zeit landauf, landab über die "fremden Fötzel" wettert, welche die IV-Kasse plündern.

13 Kommentare

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Kommentare

Die bürgerliche Behinderung

www.survivalsgein.blogspot.com
Kirchgraber Stefan | 07.09.2009

Gar nicht kontrollieren?

Unfähige, taktlose "Inspektoren" sind für die Betroffenen tatsächlich eine Zumutung, und seit den Schweizermachern wissen wir auch, dass man sich trefflich über sie lustig machen kann. Ich vermisse jedoch im Beitrag von Ueli Leuenberger einen Vorschlag, wie man es besser machen sollte.

Einfach gänzlich auf Kontrollen zu verzichten ist jedenfalls keine Option. Es stimmt zwar schon, dass die momentanen Kosten durch unrechtmässig bezogene Renten relativ bescheiden sind. Das Problem liegt anderswo:

Erstens in der Psyche der allermeisten Beitragzahler. Diese goutieren es nicht, wenn andere ungerechtfertigt Geld kassieren, das sie einbezahlt haben. Ihre Bereitschaft, weiterhin Beiträge an die IV zu leisten, sinkt rapide, wenn missbräuchliche Bezüge zu leicht möglich sind.

Zweitens muss man beachten, dass es sich herumspricht, wenn in einem bestimmten Bereich überhaupt keinen Kontrollen bestehen. Die Möglichkeit, gratis Geld abzuholen, lockt immer Leute an, die dies dann auch tatsächlich tun.
anonymous | 09.09.2009

Name verloren gegangen

Irgendwie scheint da mein Name verloren gegangen zu sein. Ich habe mich natürlich ordentlich unter meinem richtigen Namen eingeloggt und nicht als "anonymous".
Daniel Heierli
daniel heierli | 10.09.2009

Lösung existenzsicherndes Grundeinkommen

Gratis Geld abholen kann Steuerzahlende auch günstiger kommen, wenn dies durch ein existenzsicherndes Grundeinkommen passiert. Wer lieber Krieg jede(n) gegen jede(n) hat schaut peinlichst darauf, dass sich möglichst nichts am jetzigen System ändert, auch wenn's teurer kommt.
Kirchgraber Stefan | 10.09.2009

Die Mehrheit muss es mittragen

Die Idee des Grundeinkommens ist im Prinzip nicht schlecht. Sie kann aber nur funktionieren, wenn eine Mehrheit einverstanden ist. Davon sind wir zur Zeit weit entfernt.
Vielleicht sollten wir auch daran denken, dass es sehr unterschiedliche Arbeitswelten gibt. Für gut Ausgebildete (dürfte auf eine Mehrheit der hier Mitdiskutierenden zutreffen) ist die Arbeit nicht nur Broterwerb, sondern meist auch eine spannende, herausfordernde Beschäftigung.
Es gibt aber auch unangenehme Arbeiten, z.B. solche, die sehr langweilig sind. Leute, die so ihren Lebensunterhalt verdienen, kommen sich rasch einmal verschaukelt vor, wenn andere ohne jede Leistung ein fast so hohes Gehalt beziehen.
anonymous | 14.09.2009

Nicht anonymous

Auch hier nicht anonymous sondern Daniel Heierli
daniel heierli | 15.09.2009

Was ist Arbeit?

Arbeit kann als Summe derjenigen Tätigkeiten betrachtet werden, welche für ein einzelnes Individuum bzw. für eine Gemeinschaft nötig ist um das Überleben sichern zu können. Mit einem existenzsichernden Grundeinkommen setzt automatisch ein Wettbewerb um überlebenssichernde Tätigkeiten als Ersatz lebensgrundlagenzerstörender Selbstberoboterisierung ein. Die konkreten Tätigkeiten sind dann individuelle Geschmackssache. Da der Mensch bei nachhaltigen Arbeitstätigkeiten automatisch kooperativ ist, ist ein Naturgesetz.
Kirchgraber Stefan | 15.09.2009

Naturgesetz

Äh, dass der Mensch bei nachhaltigen Arbeitstätigkeiten automatisch kooperativ ist, bedingt natürlich, dass der Mensch den Wert der Kooperation, der Solidarität für sich persönlich erkennt und sich (der eigenen Natur) nicht schaden will. Sich mögen schadet ja niemandem.
Kirchgraber Stefan | 15.09.2009

Utopie versus Lösungsansatz

Gesellschaftsmodelle, die als wirkliche Lösungsansätze gemeint sind und nicht bloss als science-fiction-mässige Utopien, müssen den Menschen so nehmen, wie er ist. Und da ist es eben eine Tatsache, dass es in einer Gesellschaft auch Menschen gibt, die den Wert von Kooperation und Solidarität nicht erkennen. Die ihn gar nicht erkennen wollen.
In der Praxis zeigt sich einfach, dass Gesellschaften, die sich überhaupt nicht gegen Trittbrettfahrer wehren, nicht stabil sind.
Am Anfang ist es noch eine Minderheit, die profitieren will, ohne etwas für das Gemeinwohl beizutragen. Ihr Vorbild wirkt sich jedoch zersetzend auf die Kooperationsbereitschaft einer Mehrheit aus.

P.S.: Durch die technische Entwicklung braucht es zwar immer weniger tatsächliche Arbeit, um die materiellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu decken. Es ist aber nicht garantiert, dass dieser Trend immer in die gleiche Richtung weiterlaufen wird. Ich denke da an die Verknappung von Rohstoffen oder an die Tatsache, dass wir zur Zeit dank "unfair trade" mit den armen Ländern der Welt unsere Konsumgüter zu einem viel zu tiefen Preis beziehen.

Daniel Heierli
daniel heierli | 17.09.2009

IV-Touristen

Hallo Uli
Machen wir s doch mal umgekehrt als immer über die SVP Politiker zu "schwärmen" in deren kurzäugigen ausländerverachtenden IV Miseriakolumnen, die beste ist übrigens oder war mal auf svb.ch zu lesen und ein tpyisches Bsp. wie man nicht fertig denkt.
1. Die IV Zusatzzulagen für auslandwillige IV Rentner wie Kindererziehungskosten bspw wären gerecht an die jew. Kaufkraft im Ausland anzupassen, bspw. ganz krass wäre dies für Thailand. Wie es in Teilen Jugoslaviens aussieht weiss ich nicht, künftig kaum rosig wenn man bedenkt, dass dort bald überall der EURO zum Schweizerfranken zu nennen wäre. Oder gehen wir gern günstig als Schweizer in den Euroraum in die Ferien? Kaum. Andererseits gehörte der SVP klar die Rechnung diktiert, man soll doch mal darüber nachdenken, wieviele inzwischen von den Schweizer IV Rentnern die in Thiland günstiger leben als hier kosten würden, wenn durch unsinnige Kaufkraftanpassungsgesetze alle oder die meisten zurückkämen und hier dann zusätzlich EL beantragen würden. Die SVP kennt offenbar aus einer Aeusserung in einer aktuelleren Arena Sendung nicht mal die Maximum-, Minimum-, und Durschnitts IV Rente (CHF 1'700.00). Aus meiner Sicht: IV Grundrente wie sie im Verursacherland verfügt wurde belassen, Kindergutschriften für Erziehung und Schulen dem jeweiligen Land betr Kaufkraft anpassen. Und vor allem die inzwischen weit über 30 000 IV Frührentner (Schweizer) nicht verärgern mit Kürzungen über die Kaufkraft per Gesetzesänderung, man stelle sich nur mal vor wenn die SVP gern noch am Schräubchen der maximalen IV Rentenhöhe schräubeln möchte, wieviele von den 700 000 Auslandschweizern kämen dann wohl def wieder hierher für eine Zusatzrente (EL). ?
Zum Schnüffeln: Die gibts überall, das regt mich nicht mehr auf, meistens auch im Schweizerischen Arbeitsmarkt unter normalen Umständen ausserhalb der IV.
Gruess
Rolf, Grünliberal, bis Grünlich
Rolf | 21.09.2009

Warum so weit, die Region Basel ist nah

Er, Gleisarbeiter (Türke 2. Generation) , Sie, Putzfrau im gleichen Betrieb (Türkin 2. Generation), beide haben Rückenschmerzen und siehe da, beide IV netto 7000.-/Mte. plus 3 x Kindergeld (Staatsbetrieb!), Steuern was ist das wir sind krank und jedes Jahr mit dem Auto vollgepackt in die Türkei, keine Schmerzen bei 30 Std. Fahrt, keine Schmerzen beim Einkaufstüten tragen. Nur komisch wenn wir Schweizer Rückenschmerzen oder ähnliches haben, werden wir beim gleichen Staatsbetrieb als Simulant abgestempelt.
shopper | 22.09.2009

Juhui

Die Finanzierung der IV ist angenommen!!
Bravo
Rolf Grünlich
Rolf | 28.09.2009

Solidarität und Kontrolle

Unsere IV ist krank! Wir haben so viele Invalide, als ob es einen Krieg gegeben hat! Die Aufteilung ist bekannt: 3/4 aus psychischen Gründen, besonders gebürtige Schweizer, und 1/4 aus körperlichen Gründen, besonders von Migranten. Schon diese Aufteilung sollte zu rede geben.

Dass Problem ist, dass die Gesunden schon seit langen dass Gefühl bekommen, dass nicht alle Kranken auch wirklich "krank" sind! Das vernichtet die Solidarität! Echt kranke sind sicherlich beschämt, Hilfe zu bekommen. Aber ich habe das Gefühl, dass Leute mit echten Problemen zu einer Minderheit in diese Gruppe geworden sind. Ob diese Matter oder Sami heissen spielt keine Rolle.

Fernab von Troll-Parteien wie der SVP oder Troll-Medien wie der Weltwoche MUSS es die Aufgabe auch der Grünen sein, dass Solidarwerke eine glaubwürdige Existenz haben. Da darf sich ein Parteipräsident nicht über Kontrollpersonen mokieren.
Bojan Antonovic | 01.11.2009

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