Gemischte Teams braucht das Land

24.11.2009 - Franziska Teuscher

Drei Frauen an der Spitze des Landes - und jetzt?

Erstmals in der Geschichte der Schweiz werden beide eidgenössischen Räte gleichzeitig von zwei Frauen präsidiert: von Nationalrätin Pascale Bruderer (SP) und Ständerätin Erika Forster (FDP). Mit Bundespräsidentin Doris Leuthard wird 2010 eine weitere Frau an der Spitze der Schweiz stehen.
Das zeigt, dass die Frauen viel erreicht haben, seit sie 1971 das Stimmrecht erhalten haben. Doch: Diese prestigeträchtigen Ämter dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel Weg vor uns liegt.


Gerade letzte Woche erreichte uns eine skandalöse Nachricht: Erstmals seit der Einführung des Gleichstellungsgesetzes 1996 hat sich die Lohnschere zwischen Männern und Frauen wieder geöffnet. 2008 verdienten die Frauen im Schnitt 19,3 Prozent weniger als die Männer. 60 Prozent des Lohnunterschiedes lassen sich laut dem Bundesamt für Statistik erklären, 40 Prozent sind demnach pure Diskriminierung.


Zu den Fakten, welche die Lohnunterschiede erklärbar machen, gehört die Tatsache, dass die Kaderpositionen bei Grossfirmen immer noch fest in Männerhand sind. In den Geschäftsleitungen der 100 grössten Firmen der Schweiz beträgt der Frauenanteil fünf Prozent. Ganze drei Frauen sind CEO. In den Verwaltungsräten der gleichen 100 Firmen beträgt der Frauenanteil 6,7 Prozent. Dabei schreibt sogar die Beratungsfirma McKinsey in einer Studie von 2007, dass Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Vorstand eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite erwirtschaften. Gemischte Teams sind erfolgreicher.


Ruhen wir uns also nicht aus, nur weil uns für einmal zwei Ratspräsidentinnen aus den Zeitungen entgegen lächeln. Freuen wir uns über den Erfolg und lassen wir uns dadurch anspornen für die viele Arbeit, die noch vor uns liegt. Solange das Recht auf den gleichen Lohn noch immer nicht durchgesetzt ist, solange es für berufstätige Mütter ein Hürdenlauf bleibt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, solange in der Schweiz Krippenplätze für 120‘000 Kinder fehlen, solange die Frauen nicht selbstverständlich in den obersten Etagen aller Firmen mitmischen – solange existiert die Gleichstellung nur auf dem Papier.

 

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