Stopp Atom
Stand der Dinge
Atomkraft in der Schweiz
Die Grünen wehren sich seit ihren Anfängen gegen die Atomenergie, denn diese Technologie stellt für Menschen und Umwelt eine grosse Bedrohung dar und ist zudem extrem teuer. Ihre Nutzung kann katastrophale Unfälle auslösen. Es entstehen hoch radioaktive Abfälle, die den Planeten für Tausende von Jahren vergiften.
Die Schweiz produziert heute Strom zu gut 55% aus Wasser, zu beinahe 40% aus Atomkraft und zu nur 0.1% aus neuen Erneuerbaren Energiequellen. Für die Grünen ist es klar: das Verhälthis von Atomenergie und grünen Strom muss sich zugunsten des grünen Stromes ändern. Der Atomausstieg bleibt somit energiepolitisch eine Hauptforderung der Grünen.
Keine neuen AKW!
In der Schweiz gibt es heute fünf Atomkraftwerke : Mühleberg, Beznau I und II, Gösgen und Leibstadt. Mühleberg und Beznau I wurden in den 70er Jahren gebaut und müssen bald vom Netz genommen werden, weil ihr Betrieb immer gefährlicher wird. Indem sie Ängste vor einer Stromlücke schüren, haben die drei Stromunternehmen Axpo, Alpiq und die Bernischen Kraftwerke (BKW) Gesuche für die Bewilligung zum Bau neuer AKW eingereicht. Es ist aber bewiesen, dass der Energiebedarf der Schweiz ohne Atomenergie sehr gut gedeckt werden könnte – unter der Bedingung, dass ab sofort eine Energiepolitik aufgegleist wird, die sich auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien abstützt. Die Schweiz würde damit ihre Energieversorgung langfristig sichern, denn auch die Uranreserven werden irgendwann aufgebraucht sein. Gibt das Parlament trotzdem grünes Licht für den Bau von neuen AKW, werden die Grünen das Referendum ergreifen.
Gemeinsam mit der Allianz « Nein zu neuen AKW » sind die Grünen aktiv und schlagkräftig: Die darin zusammengeschlossenen Organisationen verfolgen gemeinsam das Ziel, den Bau neuer Atom kraftwerke zu verhindern und eine nachhaltige, auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz fokussierte Energiepolitik zu fördern.
Problem Atommüll nicht gelöst
Die Entsorgung radioaktiver Abfälle ist bis heute ein weltweit ungelöstes Problem. Radioaktive Abfälle haben Halbwertszeiten von Hunderttausenden von Jahren. Während dieser immensen Zeitspanne müssen die hochgiftigen Stoffe sicher gelagert werden. Diese Aufgabe ist schier unlösbar. Alle bisherigen Anläufe, Atommüll „sicher“ zu entsorgen, sind denn auch gescheitert.
Es gibt nur eine Lösung: Es darf nicht noch mehr Atommüll produziert werden! Das bedingt einen möglichst raschen Atomausstieg. Die heutigen AKW müssen und können nach Ablauf der Betriebszeit durch Grünen Strom und Energieeffizienz ersetzt werden. Wenn die Atomkraftwerkbetreiber die Entsorgungskosten selbst zahlen müssten, wären sicherlich auch sie dieser Meinung!
Atom ist teuer
Atomkraft ist nicht wirtschaftlich. Ein neues AKW kostet zwischen 4 und 10 Milliarden Franken. Wird dieselbe Summe in Stromeffizienz und erneuerbare Energie investiert, kann die doppelte Strommenge produziert werden. Zudem entstehen auf diesem Weg 15 Mal mehr Arbeitsplätze. Durch eine Energiepolitik basierend auf grünen Strom und Energieeffizienz würde das einheimische Gewerbe profitieren: 70% der Wertschöpfung könnten lokale und regionale KMU generieren.
Atomstrom ist nur deshalb so billig, weil die Betreiber von AKW unter den heutigen Rahmbedingungen die realen Kosten für die Haftung bei einem Unfall, für die Versicherung der Endlager und die Nachsorge nach dem Verschluss gar nicht selber tragen müssen. Das finanzielle Risiko eines Atomunfalls wird vom Bundesamt für Zivilschutz (BfZ) auf 4200-4300 Milliarden Franke, versichert sind aber nur 1.8 Milliarden Franken! Mit einer Vollkostenrechnung aller Energieträger wäre Atomenergie unattraktiv und erneuerbare Energien dagegen sehr interessant.
Die von AKW-Betreibern stets umworbenen tiefen Preise sind Fantasiezahlen. Abgesehen von den Risikokosten enthält der Preis von Atomstrom auch nicht die Forschungsbeiträge der öffentlichen Hand (kumuliert : ca. 4 Milliarden Franken), die Quersubventionen durch Wasserkraftin der Höhe von mehreren Milliarden Franken, die ungedeckten Milliarden-Kosten für die Stillegung der AKW und die Langzeitlagerung des Atommüll sowie die unkalkulierbaren Kosten durch radioaktive Verseuchung von Mensch, Natur und Meeren in den Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague.
Atom verhindert echten Klimaschutz
Strom aus Atomkraftwerken leistet keinen Klimaschutz, im Gegenteil. Die Produktion von Atomstrom verhindert langfristigen und echten Klimaschutz, da jeder Franken, der in den Bau von AKW investiert wird, nicht für Investitionen in Stromeffizienz und grünen Strom verwendet wird. Ein Entscheid für ein neues AKW ist daher gleichzeitig ein Entscheid gegen erneuerbare Energie und Stromeffizienz.
Atomkraftwerke sind gefährlich
Atomkraftwerke können nicht sicher betrieben werden. Immer gibt es Unfälle. In der Anlage von Tricastin sind im Sommer 2007 3000 Liter radioaktive Uranlösung in zwei Flüsschen gelangt. Gegen 100 Mitarbeiter wurden kontaminiert. Die Verantwortlichen haben erst mit 17stündiger Verspätung die Panne gemeldet. Im Juli 2006 kam es im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark zu einem Fast-GAU. Auch in der Schweiz stieg die Zahl der landesweit klassierten Vorfälle 2007 im Vergleich zum Vorjahr von 9 auf 13. Das alles ist keine gute Werbung für die angeblich so saubere und sichere Atomenergie.
Ebenfalls nicht geklärt sind die Auswirkungen eines AKW im „Normalbetrieb“ auf die Gesundheit der in der Umgebung wohnenden Menschen. Ein Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko bei Kindern und der Nähe des Wohnorts zu einem AKW scheint aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die im Auftrag des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz erhoben worden ist.
Mühleberg abschalten!
Die durchschnittliche Lebensdauer eines AKW beträgt weltweit 25 Jahre. Beznau I und II und Mühleberg sind schon über 35 Jahre alt. Ausser Mühleberg haben alle Schweizer AKW’s eine unbefristete Betriebsbewilligung, mit der die Laufzeit auf 50 bis 60 Jahre angehoben wurde.
Die BKW hat im Juni 2008 auch ein Gesuch für die Aufhebung der befristeten Betriebsbewilligung eingereicht. Für die Grünen ist klar: Das Atomkraftwerk Mühleberg muss spätestens 2012 abgeschaltet werden. Es ist das älteste AKW der Schweiz, das älteste seines Typs weltweit. Es weist Risse im Mantel auf. Es weiter laufen zu lassen, ist russisches Roulette. Die Grünen beteiligen sich daher namhaft am Widerstand gegen die Verlängerung der Laufzeit für Mühleberg.

