Stopp Atom
Häufige Fragen
- Wird est ohne Atomenergie nicht zu einer Stromlücke kommen?
- Oft wird gesagt, Atomstrom sei sauber und produziere kein CO2. Wäre er nicht eine Lösung angesichts der Klimakrise?
- Ist es nicht so, dass die Technologie so grosse Fortschritte gemacht hat, dass die Atomenergie inzwischen absolut sicher ist?
- Wird es uns die Forschung nicht bald ermöglichen, das Atomproblem zu bewältigen, zum Beispiel mit der Kernfusion?
- Haben wir die Mittel, um in erneuerbare Energien zu investieren, wenn wir doch schon in Atomanlagen investieren, welche funktionieren ?
Wird es ohne Atomenergie nicht zu einer Stromlücke kommen?
In den Diskussionen um die künftige Stromversorgung der Schweiz verwenden die Vertreter der Stromkonzerne immer wieder den Begriff „Stromlücke.“ Diesen Begriff haben sie bereits in den 70er, 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts als Gespenst herumgeistern lassen. 1986 warnte zum Beispiel der damalige Bundespräsident Schlumpf davor, Kaiseraugst zu verhindern. Ohne dieses Atomkraftwerk würden die Lichter ausgehen. Viele Grüne waren mit dabei und haben Kaiseraugst und auch Graben erfolgreich verhindert.
Dabei hatte der Bund für Kaiseraugst und Graben die Bewilligungen für die Standorte und die Kühltürme bereits erteilt. Der Verzicht auf Kaiseraugst und Graben hat uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahler etwa 535 Millionen Franken gekostet. Von einer Stromlücke haben wir aber nichts gemerkt. Wir haben vier Jahre nach dem schrecklichen Atomunfall in Tschernobyl erfolgreich ein Moratorium lanciert, einen 10 jährigen Baustopp für Atomkraftwerke. Auch in den 90er Jahre sind die Lichter in der Schweiz nicht ausgegangen.
Oft wird gesagt, Atomstrom sei sauber und produziere kein CO2. Wäre er nicht eine Lösung angesichts der Klimakrise ?
Das ist wirklich die Kommunikationsstrategie der grossen Gruppen, welche die Atomenergie unterstützen. Es handelt sich dabei jedoch um ein Märchen. Die Atomenergie hat überhaupt keinen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Klimas.
Aus Atomenergie wird 40 Prozent des Stroms produziert, der in der Schweiz verbraucht wird. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Elektrizität nur 9 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz ausmacht. Ein Grossteil der verbrauchten Energie – für die Heizung, Industrie, Transport – wird mit Erdöl produziert, welches Hauptverursacher ist für die CO2-Emissionen. Die Atomenergie spielt hier eine untergeordnete Rolle.
Es wäre absurd, das Erdöl durch aus Atomenergie erzeugte Elektritzität zu ersetzen, um den Treibhauseffekt zu bekämpfen. Diese Lösung ist technisch undurchdacht und wäre sowieso viel zu teuer.
Weltweit gedacht bräuchte es den sofortigen Bau von rund 1500 Reaktoren, welche bald die gesamten Uranreserven des Planeten aufgebraucht hätten. Dieses Uran reicht auch beim heutigen Verbrauch nur noch für 50 Jahre. Ganz zu schweigen von den Gefahren, welche dieses Arsenal bedeuten würde, vor allem in politisch instabilen Regionen. Die altersschwachen Atomkraftwerke auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion lassen erahnen, was im Fall einer weltweiten Wirtschaftskrise mit den hochgesicherten Nuklearanlagen der Westmächte geschehen könnte.
Ausserdem setzt auch die Produktion von Atomstrom eine nicht vernachlässigbare Menge an CO2 frei. Die Förderung und Anreicherung von Treibstoff verbrauchen fossile Energie – wie auch die Beförderung in die Zentralen, die manchmal zehntausende Kilometer entfernt sind. Die CO2-Bilanz der Atomenergie muss jedoch auch die Demontage der Zentralen und den Unterhalt der riesigen Lagerplätze berücksichtigen, welche für den Abfall gebraucht werden. Diese Energie hat nichts „Sauberes“ an sich.
Es ist viel rentabler, auf die Energieeffizienz und die erneuerbaren Energien zu setzen, um die CO2-Emissionen rasch zu reduzieren.
Ist es nicht so, dass die Technologie so grosse Fortschritte gemacht hat, dass die Atomenergie inzwischen absolut sicher ist?
Egal welche Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden – die Atomkraftwerke bleiben gefährlich. Kein einziges Risiko, dass diese Anlagen birgt, kann vollständig kontrolliert werden. Die Strahlungen, die daraus entstehen, sind hochgiftig für alle lebenden Organismen. Es gibt einen gewissen – mehr schlechten als rechten – Schutz vor der Radioaktivität, doch verhindert werden kann sie nicht. Um die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls einzuberechnen, muss der Faktor Mensch immer berücksichtigt werden. Er hat ja auch bei der Katastrophe von Tschernobyl eine grosse Rolle gespielt. Physische Faktoren wie Erdbeben, Stürme und Überschwemmungen, die wegen des Klimawandels immer häufiger werden, tragen unerbittlich zur jährlichen Verschlechterung der anfänglichen Sicherheitsbedingungen bei und können unvorhersehbare Schäden provozieren. Nuklearanlagen können zudem zu Zielen von terroristischen Anschlägen werden.
Während ihrer ganzen Lebensdauer stellt Atomenergie eine Bedrohung für Mensch und Umwelt dar.
- Der Abbau von Uran produziert Abfall, der das Wasser vergiftet und bei der Bevölkerung, die in der Nähe von Minen lebt, Krebs erzeugt – ganz zu schweigen von den Menschen, die dort arbeiten und den radioaktiven Gasen ausgesetzt sind. Giftiger Bauschutt wird vor Ort ausgesetzt.
- Die Anreicherung von Uran produziert ebenfalls Abfall: Nur 20 Prozent des behandelten Volumens kann als Treibstoff verwendet werden. Der Rest wird in der Waffenindustrie wiederverwertet.
- Bei der Produktion des Treibstoffs und seiner Verwendung in einem Atomreaktor können fürchterliche Unfälle geschehen, wenn die Installationen versagen. Es können Lecks entstehen und Radioaktivität entweichen. Die Verwendung von Wasserquellen zur Kühlung der Reaktoren bringt das Ökosystem durcheinander. Der Anteil an Krebserkrankungen ist in der Nähe von Nuklearanlagen höher als anderswo, obwohl das die Produzenten abstreiten.
- Der Transport von radioaktivem Material in die Wiederaufbereitungsanlagen erhöht das Risiko von Unfällen. Die Wiederaufbereitung selbst verschmutzt Wasser und Luft. In diesem Stadium wird auch das Plutonium produziert, das sehr begehrt ist für die Herstellung von Atombomben. Die Proliferation von Atomwaffen, die ihren Ursprung in zivilen Programm hat, bedroht die globale Sicherheit.
- Die Lagerung der Abfälle stellt ein kniffliges Problem dar. Keine einzige Lösung, die bis jetzt anvisiert wurde, garantiert die totale Sicherheit vor radioaktiven Entweichungen für die künftigen Generationen in den nächsten Jahrtausenden. Die bisherigen Technologien stiessen auf ihre Grenzen. Die NAGRA bevorzugt das Eingraben der radioaktiven Abfälle in tiefen geologischen Schichten. Nichts beweist, dass dies besser ist als andere Lösungen. Im Gegenteil, früher oder später wird die Radioaktivität an die Oberfläche steigen und das Wasser und das Ackerland, Flora und Fauna vergiften sowie die Lebensgrundlagen bedrohen. Die einzige Lösung, die Frage der radiokativen Abfälle ein für allemal zu lösen, ist, keine zu produzieren!
Wird es uns die Forschung nicht bald ermöglichen, das Atomproblem zu bewältigen, zum Beispiel mit der Kernfusion?
Die Kernfusion soll auf der Erde die energetischen Reaktionen imitieren, die sich im Innern der Sonne produzieren. Die Atomforschung absorbiert einen Grossteil des Budgets, das im Energiebereich in den westlichen Ländern zur Verfügung steht, doch sie hat das Ziel einer wirtschaftlich vertretbaren Fusion nie erreicht. Die optimistischsten Wissenschaftler schätzen, dass es mehrere Jahrzehnte brauchen wird, um zu einem Resultat zu kommen. In der Zwischenzeit werden grosse Mengen von gefährlichen Substanzen wie Plutonium und Tritium produziert, die eines Tages in die Hände von Waffenproduzenten zu fallen drohen. Während die Energieeffizienz und die erneuerbaren Energien bereits Erfolge aufweisen!
Haben wir die Mittel, um in erneuerbare Energien zu investieren, wenn wir doch schon in Atomanlagen investieren, welche funktionieren ?
Der Preis für die Kilowattstunde ist für die KonsumentInnen tatsächlich bezahlbar. Doch die Atomindustrie wird massiv vom Staat subventioniert. Die öffentliche Hand ist Aktionärin der Nuklearzentralen, die für die Banken zu riskant sind für Investitionen. Die SteuerzahlerInnen finanzieren somit direkt die Forschung über die Atomenergie und Informationskampagnen, welche die Leute überzeugen sollen, dass die Atomenergie nicht schädlich ist oder sogar gut für die Umwelt. Die Behandlung der Abfälle verschlingt Unsummen, und niemand kann die Kosten in der Zukunft abschätzen. Auch die Kosten für den Abbau von alten Zentralen, welche ständig unterschätzt werden, müssen berücksichtigt werden. Schliesslich sind die Zentralen im Fall eines Unfalls nur in der Höhe von 1, 8 Milliarden Franken versichert. Bei einem Unfall wie den von Tschernobyl betragen die Schäden jedoch 4000 Milliarden… Diese Unsummen würden besser in die erneuerbaren Energien investiert werden.

