Geschichte der Grünen in der Schweiz

Entstehung und Gründung

Am Anfang der Geschichte der Grünen Partei der Schweiz liegt eine Autobahn. Die Neuenburger Gemeindebehörden hatten Ende der 60er Jahre beschlossen, dass die N5 dem Seeufer entlang durch das Stadtgebiet verlaufen sollte. Alle Parteien von links bis rechts unterstützten das Projekt, doch eine BürgerInnengruppe lancierte eine Petition gegen den geplanten Autobahnbau und sammelte in drei Monaten 5000 Unterschriften. Da aber die politischen Institutionen der Stadt am Projekt festhielten und keine Möglichkeit zu einem Referendum bestand, gelangten die Autobahngegner-Innen zu der Überzeugung, dass sie nur über eine Vertretung in den Gemeindebehörden zum Erfolg gelangen konnten. So wurde im Dezember 1971 der Mouvement populaire pour l‘environnement (MPE) gegründet, welcher aus Freisinnigen, Liberalen und SozialdemokratInnen bestand, die aus Unzufriedenheit über das Autobahnprojekt aus ihren Parteien ausgetreten waren. Im Mai 1972 beteiligte sich der MPE mit einer 16köpfigen Liste an den Gemeindewahlen. Der MPE gewann auf Anhieb acht von 41 Sitzen im Gemeindeparlament und wurde hinter den SozialdemokratInnen und Freisinnigen drittstärkste Partei in der Stadt Neuenburg.

 

Der Wahlerfolg der Neuenburger erregte in der ganzen Westschweiz grosses Aufsehen. Bereits für die Gemeindewahlen vom November 1973 präsentierte sich in der Waadt eine ähnliche Organisation. Der Mouvement populaire pour l‘environnement vaudois (MPE) eroberte in Lausanne 5.6 Prozent der Stimmen und fünf Sitze im Gemeindeparlament; in den Vorortgemeinden kamen weitere 15 Sitze hinzu. Die Nachfolgeorganisation des MPE, der Groupement pour la protection de l‘environnement (GPE), hielt 1977 Einzug in die Lausanner Stadtexekutive. Doch viel mehr Furore machten die Waadtländer Grünen zwei Jahre später, als sie bei den Nationalratswahlen 6.4 Prozent erreichten und mit Daniel Brélaz den ersten grünen Abgeordneten nach Bern schicken konnten.

 

Auch in der Deutschschweiz wurden in vielen Kantonen ab Ende der 70er Jahre grüne Parteien und Gruppierungen gegründet. Am erfolgreichsten waren dabei die Grüne Partei Kanton Zürich und die Freie Liste Bern, welche schon 1983 ein Nationalratsmandat eroberten. Die Freie Liste Bern schaffte 1986 sogar den Einzug zweier KandidatInnen in den Berner Regierungsrat.

 

Anfang der 80er Jahre existierten bereits in den meisten Kantonen grüne Parteien, doch fehlte eine nationale Dachorganisation. Ende 1982 wagten Vertreter der Demokratischen Alternative Bern (DA!) im Hinblick auf die Nationalratswahlen 1983 den Versuch, eine Vielzahl von grünen Parteien, Bewegungen und Gruppierungen in einer nationalen Koordination zu einigen. Sie luden alle interessierten Kreise zu einer Diskussion über die Idee einer nationalen Allianz nach Bern ein. Die Verhandlungen begannen am 15. Januar 1983 und brachten vorübergehend ein vielfältiges Spektrum von ökologischen Gruppierungen an einen Tisch. Die Beratungen scheiterten aber am 7. Mai an Differenzen zwischen gemässigten und links-alternativen Gruppen. Die VertreterInnen der gemässigten Grünen Parteien von Genf und Zürich sowie der GPE Waadt und der MPE Neuenburg verliessen die Verhandlungen und gründeten zusammen mit der Grünen Partei Nordwestschweiz am 28. Mai 1983 in Freiburg die Föderation der grünen Parteien der Schweiz (GPS). Zwei Wochen später gründeten auch die links-alternativen Grünen ihre Föderation unter dem Namen Grüne Alternative Schweiz (GRAS).

 

Die grüne Föderation erreichte bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober 1983 1.7 Prozent der Stimmen und drei Sitze. Später kam nach dem Beitritt der Freien Liste Bern ein vierter hinzu. Die Grüne Alternative hingegen ging bei den Wahlen mit 0.8 Prozent leer aus.