Nahrungsmittelspekulation schadet Bäuerinnen und Bauern weltweit und in der Schweiz

Die Schweizer Stimmbevölkerung stimmt am 28. Februar 2016 über die Volksinitiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln (Spekulationsstopp-Initiative)“ ab. Auch die Schweizer Landwirtschaft ist von der Nahrungsmittelspekulation negativ betroffen – allein 2012 verlor sie 100 Millionen Franken. An einer Medienkonferenz informierte heute Nachmittag das Landwirtschaftskomitee  für die Spekulationsstopp-Initiative über die Argumente für ein bäuerliches Ja.

Die Spekulationsstopp-Initiative will die Nahrungsmittelspekulation durch ausländische Investment-Fonds und einige wenige Trader unterbinden, die kurzfristige Preisspitzen verursacht und dadurch zu Hunger und Armut für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt führt. Die Spekulation schadet aber auch der hiesigen Landwirtschaft finanziell, was die Preise für Schweizer Lebensmittel verteuern kann. „Auch Schweizer Bauern und Bäuerinnen brauchen faire Preise für Importe und Exporte, die nicht spekulativen Spannungen unterworfen sind“, erklärte Nationalrätin Maya Graf. Berechnungen des Initiativkomitees am Beispiel Futtermittel-Importe verdeutlicht die schädlichen Auswirkungen der Lebensmittelspekulation für die Schweiz. Während der Krise 2008/09 entstanden den Schweizer Bäuerinnen und Bauern rund 15 Prozent Mehrausgaben alleine für Futtermittel. Im Jahr 2012 verlor die Landwirtschaft durch Preisspitzen gemäss Berechnungen von „La Liberté“ gar 100 Millionen Franken.

„Für Bio Suisse sind Wohlstand und Gewinne, die auf Kosten der weniger Privilegierten ergambelt werden, unvereinbar mit unseren Werten und Grundsätzen! Spekulationen mit Lebensmitteln lassen sich nicht mit Nachhaltigkeit vereinbaren“, sagte Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse.
Nachhaltigkeit und faire Preise bei Lebensmitteln entsprechen einem starken Bedürfnis der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten. Auch die Schweizerische Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) unterstützt deshalb die Spekulationsstopp-Initiative.

Regina Fuhrer, die Präsidentin der Kleinbauernvereinigung, strich die verheerenden Folgen der Spekulation mit Lebensmitteln für Bäuerinnen und Bauern in den Ländern des Südens hervor: „Die unberechenbare Preisentwicklung ist für Kleinbauernfamilien verheerend, denn sie kann dazu führen, dass weniger in die landwirtschaftliche Produktion investiert wird oder – in der Not – Saatgut, Vieh oder Land verkauft werden müssen.“

Valentina Hemmeler Maïga, Verantwortliche Politik bei der Bauerngewerkschaft Uniterre, erklärte: „Die Spekulation ist nicht der einzige Grund für den Hunger auf der Welt – aber sie trägt in krimineller Art und Weise dazu bei.“ Martin Köchli, Präsident von Bioforum, unterstricht dies mit seinen Erfahrungen aus dem Kongo: „Die Bauern in Wapinda, die keinerlei Kapital – ausser ein paar Nutztieren und ein bisschen Boden – haben, waren und sind wie niemand sonst auf stabile Preise für Agrarrohstoffe und Lebensmittel angewiesen.“

Aus diesen Gründen unterstützt die überwiegende Mehrheit der bäuerlichen Organisationen sowie gemäss einer Umfrage (2015) 82 Prozent der Mitglieder des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) die Spekulationsstopp-Initiative. Denn ein Ende der Nahrungsmittelspekulation und damit ein Ja am 28. Februar wäre auch im Interesse der Schweizer Landwirtschaft.