Grundlagenpapier zur Energiepolitik

Ausgangslage: Energieverschleiss, Atomstrom und fossile Energieträger

Heute verbraucht jede Person in der Schweiz etwa 51'000 kWh Energie pro Jahr. Das entspricht einer kontinuierlichen Leistung von rund 6'000 Watt1. Mehr als 50% davon verwenden wir für Heizung und Warmwasser, weitere rund 35% für die Mobilität. Für Konsumentinnen und Konsumenten besteht kaum ein Anreiz oder gar eine Pflicht, den Energieverbrauch zu senken. Wer ein Haus baut, muss Zivilschutz- und Parkplätze einrichten. Eine gesetzliche Vorschrift nach Minergie-P-Standard oder Passivhausstandard zu bauen fehlt jedoch. Energiesparende Systeme sind zudem teurer. So kostet der Zug oft mehr als der Flug an denselben Ort – obwohl er rund 10-mal weniger Energie benötigt. Obwohl diese CO2 neutral betrieben werden kann. Doch unser Energieverbrauch ist nicht nur einfach hoch, wir nutzen die Energie nicht einmal effizient. Von 100% eingesetzter Primärenergie bleiben rund 60% ungenutzt und gehen beispielsweise als Abwärme einfach verloren.

Der Energieverbrauch in der Schweiz ist viel zu hoch, auch im globalen Kontext. Die EinwohnerInnen der Schweiz gehören zu den privilegierten 20% der Menschheit, die rund 80% der globalen Energie verbrauchen. Die Folgen unserer Energieverschwendung tragen hingegen die weniger Privilegierten. Während in Bangladesch, Indien und China riesige Landstriche im Wasser zu versinken drohen, in der Karibik ein Hurrikan nach dem andern eine Spur der Verwüstung hinterlässt und das südliche Afrika unter häufigen Dürren leidet, verpuffen wir in der Schweiz ungestraft Strom, Benzin und Heizöl.

Die heutige Energieversorgung basiert überwiegend auf fossilen Energieträgern. Gut 71% des schweizerischen Energieverbrauchs werden mit Erdöl, Erdgas und Kohle gedeckt, knapp 9% durch Nuklearenergie. Folglich werden mehr als ¾ der Energie, die wir konsumieren, aus nichterneuerbaren Quellen gewonnen. Die Wasserkraft liefert knapp 14%, Holz annähernd 3%.  Die neuen Erneuerbaren Energien schaffen es nicht einmal auf 1%! Der Energieverbrauch der Schweiz ist rund drei Mal höher als gemäss ETH global verträglich2. Energieversorgung und – verbrauch sind hierzulande weit entfernt von allen Grundsätzen der Nachhaltigkeit. Verantwortliche dafür sind Bundesrat, finanzkräftigen Wirtschaftsverbände und bürgerlichen Parteien. Zukunftsgerichtete Innovationen wurden bisher weitgehend blockiert. Die Interessen der Strom- und Erdöllobby hingegen blieben bisher gewahrt.